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Wahlheimat.

Am Wochenende war es wieder soweit: Meine Mama feierte ihren runden Geburtstag und ich bewegte mich in Richtung Kleinstadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Es war super, meine Familie wiederzusehen und ich habe die Tage drüben im Garten echt genossen, muss aber gestehen, dass ich mit dieser Stadt nicht die positivsten Erinnerungen in Verbindung bringe und nicht mehr allzu oft dort bin. Ich hab‘ irgendwie nicht reingepasst: Stammtische mit Leuten in meinem Alter, die sich regelmäßig zum Trinken trafen und ausdiskutierten, was andere Leute gerade so trieben. Gossip hier, Gossip da. Bauernpartys mit Schlager und Helene Konzerte. Versteht mich nicht falsch: Soll jeder  machen (und hören), was er will. Aber wenn genau diese Leute einen verurteilen, weil man eben nicht so tickt wie sie, dann ist das paradox. Ich sehnte mich in meiner Jugend nach kreativen Köpfen, Menschen, die herausstachen, Menschen, die mal einen Blick über den Tellerrand warfen, Möglichkeiten, Freiheiten…

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Für mich stand irgendwie immer fest: Nach dem Abi geht’s nach Berlin! Zumindest in die Nähe! Meine Liebe zu Berlin und Potsdam entstand damals durch meine zauberhafte Tante und meinen großartigen Onkel, die hier lebten. Ich verbrachte meine Ferien so oft bei ihnen und fühlte mich immer superwohl und vor allem so frei und anonym. Wie ich mich gefreut habe als feststand, dass das mit dem Studium und dem Umzug nach Potsdam klappt, könnt ihr euch nicht vorstellen. Ein komplett neuer Lebensabschnitt stand vor der Tür. Und auch wenn viele Leute auf meine Pläne eher semibegeistert reagierten: „Wie? Du willst SO weit weg ziehen? Du kennst doch da niemanden! Dann kannst du aber nicht jedes Wochenende hier verbringen?!“ – „Nein, habe ich auch nicht vor.“ – schafften sie es nicht, meine Freude zu beschwichtigen.

Verstehen, dass ich so selten dort bin, können viele Leute immer noch nicht, aber mittlerweile besuchen sie mich hier regelmäßig. Der engste Kreis von damals ist definitiv geblieben. Es scheint sogar, als wären manche Freundschaften, seitdem ich weggezogen bin, erst richtig entstanden. An dieser Stelle Grüße an Van und Flo! Auch das Verhältnis zu meinen Eltern hat sich seitdem um einiges gebessert. Aber das geht Leuten ja oft so nachdem sie ausgezogen sind, wie ich mittlerweile herausgefunden hab‘.

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Ich liebe es hier! Anonymität, Toleranz, unzählige Möglichkeiten, Multikulti…Und wenn ich heute, 4,5 Jahre nach meinem Umzug, in der Bahn sitze und an der Siegessäule vorbeifahre, denke ich tatsächlich immer noch: „Krass, du wohnst jetzt wirklich hier und alles hat nach deinen Vorstellungen funktioniert.“ Dafür bin ich sehr dankbar.

Dass es nicht „Home is where you were born and raised“, sondern „Home is where your heart is“ heißt, macht halt schon absolut Sinn! Wer weiß, wo es einen in der Zukunft noch hinführen und was das Leben noch bringen wird, aber für diesen Lebensabschnitt war es die absolut richtige Entscheidung. Ich bereue nichts!

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3 Comments

  • Serpil

    Kann ich so zu 100% unterschreiben ?? würde niemals zurückziehen ?

    11. Juni 2016 at 17:18 Reply
  • Andrea

    Na zum Glück biste hier her gezogen! Sonst hätten wir uns nie kennen gelernt 😉

    9. Juni 2016 at 22:22 Reply
    • undichso

      oh ja! <3

      9. Juni 2016 at 23:01 Reply

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