Personal

Manche Wunden heilen eben doch.

8. Januar 2017

Er sticht noch zu. In größeren Abständen und nicht mehr unerträglich stark. Aber er sticht noch. Man kann alte Erinnerungen mit neuen überdecken. Aber so ganz verschwinden wird er wohl nie: der Schmerz. Das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, zu straucheln und dennoch zu fallen. Und dabei geht es nicht um den positiven Nachhall der Person, nicht um das Vermissen und Zurückwünschen der Person, sondern um den Eindruck, zurückversetzt zu werden in alles, was sie einem in der Vergangenheit angetan hat. Die Angst, diese Panik noch einmal spüren zu müssen und nicht mehr aus dem dunklen Loch entkommen zu können. Die Befürchtung, sich erneut komplett zu verlieren und nicht zu wissen, wie man weitermacht. Das Atmen fällt mir schwer. Mein Herz fällt fast raus. Mein Magen zieht sich zusammen. Jede Bewegung bereitet größte Mühe. Es ist beides: Fluch und Segen, alles so verdammt intensiv zu fühlen.

…and that’s the thing about pain. It demands to be felt.

Ich schließe die Augen und versuche, wieder in der Gegenwart anzukommen. „Reiß dich zusammen, warum fühlst du gerade so? Das ist alles nicht Teil des Hier und Jetzt und erst Recht nicht Teil deines zukünftigen Lebens!“ erinnere ich mich selbst. Manchmal schenke ich meinen Worten Glauben. Manchmal ist das Gedankenkarussel so stark, dass die Selbstermahnung nicht funktioniert. Ich komme diesmal zum Glück wieder in der Gegenwart an: Der Boden taucht ganz langsam aber sicher wieder unter meinen Füßen auf. Das Atmen fällt wieder leichter. Mein Herzschlag beruhigt sich. Mein Magen entkrampft sich. Du umarmst mich und flüsterst: „Es ist vorbei. Hab‘ keine Angst.“ Ich versinke in der Umarmung und bin unendlich dankbar, diese hässliche Zeit hinter mir gelassen haben zu können. Danke.

Und ganz vielleicht werde ich irgendwann in Zukunft verzeihen können. Nicht für die Person, sondern mir zuliebe: um endlich Frieden mit der Geschichte zu schließen und frei zu sein.

The truth is, unless you let go, unless you forgive yourself, unless you forgive the situation, unless you realize that the situation is over, you cannot move forward. – Steve Maraboli

Drei Monate nach Schreiben dieses Textes lese ich ihn nochmal durch. Und ich spüre den Schmerz kaum noch. Vielleicht wird er mich noch ab und zu überkommen, aber er wird mich nicht mehr umhauen. Manche Wunden heilen eben doch.

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